Pfarrbrief


Aktueller Pfarrbrief

12.09.2020 – 20.09.2020

Liebe Schwestern und Brüder,
werden Schülerinnen und Schüler gefragt, wie ihre Lehrerin oder ihr Lehrer sein soll, dann antworten viele: „Die Lehrerin oder der Lehrer sollte gerecht sein.“
Wenn man ein anderes Wort für gerecht sucht, passt auch ausgewogen.
Gewogen kommt von wiegen. Dazu fällt mir das Bild von der Justitia, der Göttin des Rechts und der Gerechtigkeit ein. Um ein gerechtes Urteil über einen Menschen fällen zu können, musste sie genau abwägen. Was spricht für ihn? Was gegen ihn? Welche Informationen werden benötigt, um ihm gerecht zu werden? Welche Hintergründe und Aussagen sind wichtig, um ein möglichst ehrliches Urteil zu treffen?
Im Evangelium von den Arbeitern im Weinberg wird deutlich, dass der Gutsbesitzer die Arbeiter nicht oberflächlich vergleicht und beurteilt.
Er kennt jeden von ihnen und ist um eine ausgleichende Gerechtigkeit bemüht. In dem Gleichnis erfahren wir, wie Gott ist. Er handelt ganz anders, als wir uns es vorstellen. Mit dem Satz: „Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du nur neidisch, weil ich gütig bin?“, beschreibt Jesus seine Eigenschaften und die von Gott. Gottes Güte lässt sich nicht verrechnen. Sie ist unverschuldet. Gott kennt die Lebensgeschichte von jedem einzelnen von uns und schaut in unsere Herzen.
Oftmals ist es leicht ein Urteil voreilig über jemanden zu fällen. Doch wenn wir einander gerecht werden wollen, sollten wir genauer auf den Menschen schauen. Um eine faire Entscheidung treffen zu können, sollten wir die unterschiedlichen Voraussetzungen des andern kennen, damit wir objektiv abwiegen können. Erst dann ist ein gerechtes Urteil möglich.
Dies ist eine große Herausforderung, nicht oberflächlich und vorschnell zu urteilen. Gerechtigkeit untereinander bringt Frieden auf Erden.
Niemand darf sich vom Teilen mit den Armen und von der Sorge um die soziale Gerechtigkeit freigestellt fühlen (Papst Franziskus). Nur wenn wir die Gaben der Erde und den Reichtum des Lebens gerechter miteinander teilen, werden alle Menschen in Frieden und Freude leben können. Seien wir bemüht gerechter miteinander umzugehen, damit Frieden nicht nur ein Traum bleibt. Beginnen wir gleich hier und jetzt damit, indem wir einander wertschätzend und gleichberechtigt begegnen und in dem anderen den Bruder und die Schwester sehen.
Jede Anstrengung dafür lohnt sich und beschert uns allen ein bisschen mehr Gerechtigkeit und Frieden.
Herzliche Grüße
Hanna Löffler